Zuletzt aktualisiert am 23. September 2025 von Tim Peters, Gründer von grosse-menschen.info
Wenn man groß ist, wird einem die eigene Körpergröße ständig bewusst gemacht – und zwar nicht nur durch Spiegel oder Fotos, sondern vor allem durch die Reaktionen anderer Menschen. Blicke im Supermarkt oder der Fußgängerzone, Kommentare im Büro, Fragen auf Partys. Mal nett gemeint, mal neugierig, manchmal aber leider auch nervig.
Ich habe im Laufe meines Lebens gemerkt: Die eigene Größe ist nicht nur ein körperliches Merkmal, sondern beeinflusst auch stark das Selbstbild. Aber wie schafft man es, damit entspannt und sogar selbstbewusst umzugehen?
Zwischen Stolz und Unsicherheit: die ambivalente Realität
Als Kind war ich immer der Größte in der Klasse (meist auch in allen Parallelklassen und dem Jahrgang darüber), obwohl ich früher in die Schule gekommen bin. Das klingt im ersten Moment toll – aber ehrlich gesagt fühlte es sich für mich damals manchmal auch sehr unangenehm an. Wenn man schon mit 13 über alle hinwegschaut, fällt man auf. Viele große Menschen berichten von genau dieser Erfahrung: Man wollte eigentlich gar nicht auffallen, wurde aber ständig zum Mittelpunkt gemacht. Insbesondere bei großen Mädchen bzw. jungen Frauen ist das häufig ein noch viel emotionaleres Thema, das mit vielen Unsicherheiten und Ängsten verbunden ist, wenn man z.B. in der Pubertät einen Kopf größer ist als die Jungs in der Klasse.
Später im Erwachsenenalter ändert sich das. Plötzlich wird Größe oft mit Autorität, Stärke oder Attraktivität verbunden. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass man sich innerlich so fühlt. Ein gesundes Selbstbild entwickelt sich nicht von allein – es ist ein Prozess.
1. Kommentare richtig einordnen
„Na, wie ist die Luft da oben?“ – wahrscheinlich hat jeder große Mensch diesen Satz schon hunderte Male gehört. Anfangs habe ich das belächelt, irgendwann hat es genervt. Entscheidend ist, wie man selbst die Kommentare bewertet:
- Viele meinen es freundlich oder als Smalltalk
- Manche nutzen es, um sich selbst größer oder bedeutender zu fühlen
- Andere wollen einfach nur nerven
Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich nicht jede Bemerkung persönlich nehmen muss. Ein lockerer Spruch zurück oder ein Lächeln reicht oft. Manchmal darf man aber auch deutlich machen: „Das höre ich oft, es nervt ein bisschen.“ Selbstbewusstsein bedeutet auch, Grenzen zu setzen und sich nicht treiben zu lassen.
2. Kleidung, die wirklich passt
Ein Punkt, der unglaublich viel fürs Selbstbild tut: Kleidung, die passt. Ich erinnere mich noch gut an meine Jugendzeit, als Hosen oft zu kurz waren oder Hemden kaum über den Ellbogen hinaus gingen. Das wirkt automatisch unbeholfen und verstärkt das Gefühl, „nicht reinzupassen“ oder nicht normal zu sein.
Heute weiß ich: Lieber etwas mehr Zeit (und Geld) in die Suche nach Marken für große Menschen investieren, die lange Größen anbieten, als Kompromisse einzugehen. Das richtige Outfit verändert nicht nur, wie andere einen sehen, sondern vor allem, wie man sich selbst im Spiegel sieht.
3. Körperhaltung und Präsenz
Viele große Menschen machen sich klein – buchstäblich. Man neigt dazu, die Schultern einzuziehen, leicht gebückt zu laufen, um nicht noch größer zu wirken. Ich kenne das selbst nur zu gut. Aber diese Haltung signalisiert Unsicherheit – nach außen und nach innen.
Sobald ich bewusst auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet habe, veränderte sich auch mein Gefühl für mich selbst. Man strahlt Stärke und Selbstvertrauen aus – und das wirkt auf einen selbst genauso wie auf andere Menschen.
4. Vorbilder und Identifikation
Ein wichtiger Schritt kann es sein, Vorbilder zu finden: Menschen, die groß sind und ihr Leben sichtbar und selbstbewusst führen. Sei es ein Sportler, eine Schauspielerin oder auch jemand aus dem Bekanntenkreis.
Immer wieder prägen Werbung, Filme und Social Media unser Bild von Körpergrößen. Große Menschen werden in Medien oft als selbstbewusst, stark oder autoritär dargestellt, was selten der breiten Realität entspricht. Authentische, vielfältige Vorbilder können viel dazu beitragen, das eigene Selbstbild zu stärken.
Zu sehen: „Es geht auch anders – man kann groß sein und stolz darauf!“ – das macht etwas im Kopf. Es hilft, die eigene Größe nicht als Problem, sondern als Chance zu sehen.
5. Austausch mit anderen Großen
Nichts wirkt stärker gegen das Gefühl, „anders“ zu sein, als der Austausch mit Menschen, die das Gleiche erleben. Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich in einer Runde von lauter großen Leuten war: Plötzlich war ich nicht die Ausnahme. Plötzlich waren 1,90m oder mehr die Norm. Dieses Gefühl kann man schwer beschreiben, aber es macht unglaublich viel mit dem Selbstbild.
Wahrscheinlich kennt ihr das Gefühl auch selbst von Situationen, wo ihr jemanden seht, der ähnlich groß oder noch größer ist, als ihr selbst – das fühlt sich für mich einerseits immer total weird an, aber andererseits freue ich mich auch, dass ich nicht der einzige bin, der groß ist und fühle mich direkt verbunden.
Ob online in Communities, in Vereinen oder einfach im Freundeskreis – dieser Austausch ist wie ein Spiegel, der zeigt: „Ich bin nicht allein mit meinen Erfahrungen.“ Hier findest du hilfreiche Links für große Menschen.
6. Psychologische Perspektive
Gesellschaftlich wird Größe oft mit Stärke, Macht und Erfolg verbunden – Studien zeigen sogar, dass größere Menschen statistisch häufiger Führungspositionen einnehmen. Doch das heißt nicht, dass man sich automatisch so fühlt.
Die Gefahr ist, dass man ständig in eine Rolle gedrängt wird („der große Beschützer“, „die starke Frau“), auch wenn man sich selbst vielleicht verletzlich fühlt. Ein gesundes Selbstbild bedeutet daher, diese Zuschreibungen zu reflektieren – und zu entscheiden: Was davon passt wirklich zu mir?
7. Akzeptanz als Schlüssel
Am Ende führt alles zu einem Punkt: Akzeptanz. Akzeptanz heißt nicht, jede Situation toll zu finden oder jede Bemerkung wegzulächeln. Es bedeutet, die eigene Größe als Teil der Persönlichkeit anzunehmen.
Ich habe irgendwann aufgehört, mich mit Durchschnittsgrößen zu vergleichen. Stattdessen habe ich gelernt, meine eigene Realität zu akzeptieren – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Genau darin liegt die Basis für ein gesundes Selbstbild.
Fazit zum Selbstbild von großen Menschen
Für Eltern großgewachsener Kinder ist es oft eine Herausforderung, beim Thema Selbstbild zu unterstützen. Sinnvoll sind wertschätzende Gespräche, in denen Unsicherheiten und Erlebnisse ernst genommen werden. Eltern sollten ihr Kind darin bestärken, die eigene Körpergröße als normalen Teil ihrer Persönlichkeit anzunehmen und – besonders bei negativen Kommentaren oder Ausgrenzung – verständnisvoll und stärkend reagieren. Gemeinsame Strategien im Umgang mit irritierenden Aussagen von Mitschülern, Lehrern oder Fremden können das Selbstvertrauen des Kindes gezielt fördern.
Groß zu sein prägt das Leben. Mal positiv, mal herausfordernd. Wer ein gesundes Selbstbild entwickeln möchte, sollte lernen:
- Kommentare einzuordnen,
- Kleidung und Haltung bewusst zu gestalten,
- Vorbilder und Gemeinschaft zu suchen,
- und die eigene Größe als Teil der Identität zu akzeptieren.
Groß sein heißt nicht nur, mehr Raum einzunehmen – sondern auch, sich selbst Raum zu geben. Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion: Man darf groß denken, groß fühlen und groß leben.
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